Hamburg Heimat

Hamburg ABC: Cholera

Hamburg entdecken von A bis Z, das mache ich mit dem Hamburg ABC. Zu jedem Buchstaben gibt es ein Thema, eine Person oder einen Ort, den ich mir genauer anschaue. Diesmal geht es um das C wie Cholera.

  • Die Cholera in Hamburg von 1892 war der letzte große Ausbruch in Europa
  • Robert Koch wird nach Hamburg geschickt und bestätigt den Ausbruch der Cholera
  • Erst nach 10 Wochen nahm die Anzahl der Neuerkrankungen ab
  • 16.956 Menschen erkrankten und 8.605 davon verstarben

Ein kurzer Überblick zur Hamburger Cholera von 1892

Im August 1892 gab es den ersten Erkrankten und wenige Tage später waren es schon drei. Zu diesem Zeitpunkt ging der Hamburger Senat noch nicht von der Cholera aus, aber eine Woche später gab es 1.100 Erkrankte und 455 Verstorbene.

Die Bevölkerung wurde unruhig und es musste schnell etwas getan werden: Der Hafen wurde gesperrt, Schulen geschlossen und Versammlungen verboten. Die Reichsregierung schickt Robert Koch – Leiter des preußischen Instituts für Infektionskrankheiten. Er machte sich einen Überblick über die Lage in Hamburg und war besonders entsetzt von den Zuständen in den Gängevierteln.

Ich habe noch nie solche ungesunden Wohnungen, Pesthöhlen und Brutstätten für jeden Ansteckungskeim angetroffen […] Ich vergesse, daß ich mich in Europa befinde.

– Robert Koch

Koch bestätigte nun öffentlich, dass es sich um Cholera handelt, welches sich durch verunreinigtes Trinkwasser verbreitet. Die Karte „Die Cholera an der Grenze von Hamburg und Altona“ von Georg Gaffey aus 1894 zeigt dies eindeutig: Altona hatte kaum Cholera Fälle, da hier im Gegensatz zu Hamburg, das Trinkwasser sandgefiltert wurde.

Auf den Spuren der Cholera

Die Cholera Epidemie setzte Veränderungen in Gang, die auch heute noch im Stadtbild ersichtlich sind. Die Gängeviertel wurden abgerissen, das Amt des Hafenarztes und das Institut für Hygiene und Umwelt wurden gegründet. Auf der Elbinsel Kaltehofe wurde ein Filtrierwerk errichtet.

Ich habe mich auf einen kleinen Stadtrundgang gemacht und nehme Euch hier nun mit auf diese kleine Erkundungstour.


1a.) Ohlsdorfer Friedhof – Schwarze Bude
Auf dem Ohlsdorfer Friedhof schaufelten 125 Arbeiter in Tag- und Nachtschichten Gräber für die an Cholera verstorbenen. Die Arbeiter waren in einfachen Holzbuden untergebracht und deren Nachfolgebauten wurden friedhofsintern auch noch Jahre später „Schwarze Bude“ genannt.


1b.) Ohlsdorfer Friedhof – Gedenkstein
Die Patriotische Gesellschaft errichtete 1992 einen Gedenkstein an dem Platz, auf dem die meisten Cholera Verstorbenen begraben wurden. Es waren 8.605 Menschen überwiegend aus den Armen- und Arbeitervierteln, da sich dort die Cholera besonders rasant ausbreiten konnte.

2.) Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin
Nach der Cholera Epidemie wurde das Hamburger Gesundheitswesen reformiert und u.a. Bernhard Nocht als Hafenarzt ernannt. Nocht gründete 1899 ein Institut zur Erforschung von Tropenkrankheiten, dass noch heute seinen Standort an den Landungsbrücken hat.

3.) Hygieia-Brunnen
1895/96 wurde im Innenhof des Rathauses ein Brunnen errichtet. Ursprünglich sollte er den Seehandel der Hafenstadt Hamburg darstellen und den Handelsgott Merkur zeigen. Aufgrund der Cholera Epidemie wurde sich dann für die griechische Göttin der Gesundheit Hygieia entschieden.

4.) Elbinsel Kaltehofe
Eine Karte aus 1894 zeigt sehr genau, dass die unzureichende Wasserversorgung Grund für die Cholera war. Altona hatte eine Trinkwasserfiltration, Hamburg noch nicht. 1893 wurde in aller Eile auf der Elbinsel Kaltehofe die Trinkwasserfiltration fertiggestellt. Das Wasserwerk wurde erst 1990 stillgelegt und heutzutage ist es ein Naturpark und Museum.

ACHTUNG >> Bei der genannten Veranstaltung / Veranstaltungsort kann es zu Einschränkung kommen aufgrund der Corona Epedemie. Bitte informiert Euch direkt über den/die angefügten Link(s).

Wer gerne mehr erfahren möchte, dem empfehle ich ein Besuch des Medizinhistorischen Museums oder Wasserkunst Elbinsel Kaltehofe. Den NDR Beitrag „1892: Die Cholera wütet in Hamburg“ und vom Medizinhistorischem Museum gibt es ein tolles Youtube Video.

Macht Ihr manchmal auch Touren durch Eure Stadt?

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